Prof. Dr. Ing. Stefan Winter, Technische Universität München

 bauart Konstruktions GmbH & Co. KG, Lauterbach-München-Darmstadt-Berlin:
 

Holzbau an der Hochhausgrenze - und darüber hinaus

Mit speziellen Holzbauteilen ist der Holzbau bis zur Hochhausgrenze (< 22 m) und darüber hinaus möglich. Prof. Winter hat selbst bereits mehrgeschossige Holzbauten konstruiert und gebaut. Als Prüfingenieur nimmt er immer wieder vorgefertigte Bauteile unter die Lupe. Er schaut genau hin, dem gelernten Zimmermann ist die Praxis auf der Baustelle aber auch geläufig. In seinem Vortrag zeigte er 18 und 24-geschossige Holzbauten aus Norwegen, Kanada und Österreich. Sie belegen, dass der Holzbau mittlerweile hoch hinausgeht. „Wir haben im Holzbau insbesondere durch die großen Brettsperrholzbauteile (BSP) alle Konstruktionsmerkmale und Bauteile zur Verfügung, die auch im Stahlbetonbau üblich sind“, so Prof. Winter. Der Holzbau habe sich technisch weiterentwickelt, der Einsatz von BSH oder Hochleistungsträger aus Buchenfurnierholz seien Meilensteine der Entwicklung. „In Europa werden heute 1,2 Millionen Kubikmeter BSP für den Holzbau produziert, vor 15 Jahren waren es nur 10.000 Kubikmeter“, so Winter.  

Die Nachfrage nach BSP ist ein Indikator für steigende Holzbauquoten. Damit diese Bauten in allen Regionen sicher sind, müssen die Bauteile bestimmte Eigenschaften aufweisen. „Alle erforderlichen Bauteile, die auf dem deutschen Zugang auf dataholz.eu verfügbar sind, sind auch baurechtlich hinterlegt“, sagte Winter. Die Tragwerksplaner, Architekten, Holzwirtschaft, Industrie und Handwerk hätten ihre Hausaufgaben gemacht. Einzig die Normen, Bauordnungen und Verwaltungsvorschriften seien noch nicht hinterhergekommen.

„Bauteile müssen 90 Minuten feuerwiderstandsfähig sein, Lasten abtragen können, den Wärme- und Schallschutz erfüllen“, sagte er. Hilfreich sei ein Verbundsystem von Holz und nichtbrennbaren Schichten. Optimal wäre es, wenn in den kommenden Jahren über Deutschland hinweg verteilt Fertigbau-Firmen gebe, die Holzbeton-Verbunddecken im Werk herstellen könnten. Das könne sich auf die Arbeitsbedingungen an den Baustellen auswirken, die müssten in Zukunft verbessert werden. „Geht die Wirtschaft in den Ländern durch die Decke, aus denen die vielen guten Bauarbeiter derzeit kommen, haben wir ein Problem“, so Winter, der viele Baustellen als „archaisch“ und „die Arbeitsabläufe teilweise als nicht erträglich“ bezeichnete.

Es müsse gelingen, Bauteile und -arten in großen Mengen industriell herzustellen, die an der Baustelle „einfach“ montiert werden könnten und die baurechtlichen Bestimmungen erfüllten. Praktisch umsetzbar, mit rechtlicher Sicherheit für alle Projektbeteiligten und Überprüfbarkeit. Denn am Ende stelle sich die Frage: Wurde das gebaut, was geplant und genehmigt worden ist? „Wir brauchen eine vernünftige Qualitätssicherung in der Vorfertigung, das ist momentan auf Grundlage der derzeitigen technischen Regeln und Baubestimmungen kaum möglich. „Darum könnte man als Übergangsregelung beispielsweise den Feuerwiderstand und die Schutzzeit der Beplankung angeben, anstatt eine Kapselung zu fordern“, so Prof. Winter, der am Ende seines Vortrages daran erinnerte, dass der Holzbau sich derzeit zwar auf mehrgeschossiges Bauen und Aufstockungen konzentriere, aber auch noch viele andere Gebäude aus Holz gebaut werden könnten.   

 

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